Mein Verständnis von Organisationsbionik basiert auf „Regeln“. Vielleicht passen Wörter wie „Prinzipien“ besser – aber ich habe diese Regeln aus der Beobachtung der Landwirtschaft abgeleitet, und dort funktionieren sie als Handlungsrahmen. Die Regeln sind Hinweise darauf, welche Entscheidungen und Interventionen im Umgang mit Komplexität und Unwägbarkeiten riskant sind – und welche dazu beitragen, Fehler und Ausfälle zu vermeiden.
Die Regeln sind keine Checkliste und schon gar keine „in Stein geschlagenen Gesetze“. Sie sind eher Wegmarkierungen: ein verlässlicher Rahmen, um Ideen und Handlungsoptionen zu prüfen – und um sich wieder zu orientieren, wenn man sich verlaufen hat.
Das demnächst erscheinende Buch ist deshalb nicht als Rezeptbuch gebaut, sondern als Prüf- und Denkwerkzeug entlang wiederkehrender Themenkreise.
Ich gruppiere die Regeln in Gruppen. Diese Gruppen bauen aufeinander auf – so, wie es die Entscheidungen eines Landwirts tun.
Ein Teil der Entscheidungen wird am Anfang eines Projekts oder einer Aktivität getroffen und ist später nicht oder kaum korrigierbar – oft stärker von äußeren Parametern geprägt, als man sich eingestehen will. Organisationsbionik stellt sich dieser nüchternen Einschätzung von Irreversibilität und Abhängigkeit.
Nach den Festlegungen erfolgt die Planung des Systems – eine Phase des Beobachtens, Abwägens und Strukturierens.
Ein wesentliches Instrument im bionischen Werkzeugkoffer sind Strukturen, Muster und Zonen – räumlich, organisatorisch oder auch nur als Werkzeug des Denkens. Zonen helfen, Nutzungsintensität, Nähe, Reibung und Schutzräume zu denken – unabhängig davon, ob es um Gelände, Abteilungen oder Kommunikationswege geht.
Ab einem gewissen Komplexitätsgrad kippt Gestaltung: Man entwirft nicht mehr Zustände, sondern Rahmenbedingungen. Manches (wie z.B. Schwärme) lässt sich nicht direkt konstruieren; man gestaltet Bedingungen, lässt Emergenz zu und lenkt mit ungewohnten Werkzeugen. Denn es ist klar: Es gibt kein „Schwarm-Organigramm“.
